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Rieger: Von der christlichen Moral zu einer Ethik
[2340]
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Vermutlich hat Christus gar nicht gelebt. Bereits Friedrich der Große hatte angezweifelt, ob es einen Jesus tatsächlich gäbe. Ebenso hatte Goethe die Auffassung vertreten, daß Jesus nicht existiert habe, und in einem Brief an Herder geschrieben: "Das Märchen von Christus ist Ursache, daß die Welt noch 10.000 Jahre stehen kann und niemand recht zu Verstande kommt ...". Albert Schweitzer hat in seinem Buch "Leben Jesu Forschung" zugegeben, daß sich nicht beweisen lasse, ob Jesus gelebt habe. Mit der kritischen Bibelforschung hat die Zahl der Personen, die die Geschichtlichkeit Jesu verneinen, im Anschluß an Prof. Arthur Drews ("Die Christenmythe", 1909, 1911) erheblich zugenommen; zu erwähnen wäre beispielsweise der in Bremen lebende Theologe Hermann Raschke. Neben kritischen Beobachtungen an den Evangelien knüpft diese Auffassung vor allem an die Tatsache an, daß Paulus, der älteste Zeuge, nach seinen eigenen Angaben (Galater 1) Jesus nicht gekannt hat, fast vollständig über sein Leben schweigt, er lediglich vom letzten Abendmahl berichtet. Legendenhaft ist die - im übrigen in sehr unterschiedlichen Stammbäumen (Matthäus l und Lukas 3) überlieferte - angebliche Abstammung aus dem Hause David. Wegen der Geburt Jesu soll König Herodes den Kindermord angeordnet haben - aber Herodes starb schon im Jahre 4 "vor Christi Geburt", kein antiker Geschichtsforscher weiß von diesem angeblichen Kindermord, und wenn denn tatsächlich die "heiligen drei Könige" in dem kleinen Nest Bethlehem Jesus angebetet hatten, müßte sich das dort herumgesprochen haben, so daß das fragliche Kind bekannt war. (Eine auffallende Planetenkonstellation - von Jupiter und Saturn - gab es in Palästina im übrigen nicht "zu Christi Geburt", sondern 7 "v. Chr."). Ebenso erfunden ist die Behauptung in der Weihnachtsgeschichte, daß die Nazarener Maria und Josef nach Bethlehem zogen, weil Augustus eine Volkszählung anberaumt hatte: Nur römische Grundbesitzer unterlagen der Zählung, die im übrigen 6 "n. Chr." war. Da nach jüdischen Prophezeiungen der Messias aus Bethlehem stammen sollte, erfand man Jesu Geburt dort. Legendenhaft ist selbst der Name "Jesus". Jesus = Jeschua = Jehoschua = Josua ist seine Herleitung, übersetzt "Jahve ist Rettung". Diesen Namen trug bereits der Hohepriester Josua, der die Juden aus babylonischer Gefangenschaft nach Jerusalem zurückführte, und seitdem war dieser Name im Judentum zur Verheißung geworden: Josua war ein Name, der seinen Träger als Heiland und Erlöser kennzeichnete. Nur ein Mensch mit Namen Jesus konnte also zum Messias (griechisch Christos) für die Juden werden, und deshalb der angebliche Befehl des Engels an Joseph, das Kind so zu nennen. Über die Kindheit, Jugend und das frühe Erwachsenenalter von Jesus steht befremdlicherweise auch nichts bei Matthäus, Markus und Johannes; Lukas sagt nur, daß Jesus 3 Tage, als er 12 war, verschollen war, wo er Disputationen im Tempel geführt hätte - ersichtlich erfunden, um die Klugheit Jesu herauszustellen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß die zeitgenössischen Historiker den Jesus der Bibel nicht erwähnen. Josephus Flavius, der kurz nach der angeblichen Kreuzigung Jesu geboren wurde, ist der bedeutendste. Er veröffentlichte um das Jahr 93 seine von der Weltschöpfung bis zu Nero führenden "Jüdischen Altertümer", wo er alles festhielt, was nach seiner Meinung wissenswert war. Er erwähnt beispielsweise Johannes den Täufer, Herodes und Pilatus, und schildert gerade aus dieser Zeit noch die geringsten Einzelheiten des politischen und gesellschaftlichen Lebens; er weiß beispielsweise von über einem Dutzend Personen zu berichten, die Wunderheilungen vorgenommen haben und sich als Erlöser betrachteten. Nur von Jesus von Nazareth finden wir bei ihm nichts. Da bei ihm über diese Person - wenn sie existiert hätte - mit Sicherheit etwas gestanden hätte, haben die Christen im 3. Jahrhundert seinen Text gefälscht und das sogenannte "Testimonium Flavianum" eingefügt, in dem Jesu Wunder bezeugt werden und sogar seine Auferstehung und die Erfüllung des Weissagungsbeweises angeführt werden.... 76 Seiten, broschiert

Dieses Produkt haben wir am Dienstag, 07. Dezember 2010 in unseren Katalog aufgenommen.
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